Im Karriereführer: „Es ist Leidenschaft im Spiel“
Conrad Eß verrät im Interview mit dem Magazin “karriereführer” (ein Ratgeber für Nachwuchs-Fach- und Führungskräft), welches Expertenwissen besonders gefragt ist und warum die Karrierechancen für Hochschulabsolventen in der Green-Tech-Branche besonders gut sind.
Herr Eß, angenommen, ich habe als Hochschulabsolvent bislang noch keinen Schwerpunkt auf Green-Tech gelegt. Wie stehen meine Einstiegschancen?
Sehr gut, denn die Unternehmen der Branche suchen händeringend technische Experten: Elektrochemiker, Verfahrenstechniker oder Spezialisten aus der Elektrotechnik.
Eine solide Grundlagenausbildung mit technischem oder naturwissenschaftlichem Hintergrund ist eine gute Voraussetzung für den Einstieg in die Green- Tech-Branche. Generell gilt: Je fundierter die Grundlagenausbildung eines Absolventen, desto leichter fällt es ihm, sich zum Beispiel in der Entwicklungsabteilung eines Green-Tech-Unternehmens zu bewähren.
Stimmt der Eindruck, dass die Green-Tech-Branche stärker auf Akademiker setzt als die herkömmliche Industrie?
Ja. Im Bereich der erneuerbaren Energien zum Beispiel liegt der Anteil der Hochschulabsolventen bei rund 30 Prozent; die Quote in der herkömmlichen Industrie liegt nur bei rund 10 Prozent. Der Grund: In den Green- Tech-Unternehmen wird viel mehr Forschungs- und Entwicklungsarbeit geleistet – und genau für diese Jobs benötigen die Firmen Nachwuchskräfte mit sehr gutem Fachwissen. Ob der Kandidat dabei auch über eine Art grünen Überbau verfügt, ist dabei zunächst einmal nicht entscheidend.
Muss sich ein Bewerber, der bislang nur praktische Erfahrungen in der herkömmlichen Industrie gesammelt hat, darauf einstellen, dass in den Green-Tech-Unternehmen ein anderes Betriebsklima herrscht?
Das nachhaltige Denken ist in diesen Unternehmen schon präsent und spürbar. Es ist aber nicht so, dass ein Bewerber, der ein Auto mit hohem Spritverbrauch fährt oder einen Business-Anzug trägt, per se keine Chance hat. In dieser Hinsicht ist die Branche pragmatisch. Viele Unternehmen wachsen und wollen vorankommen. Daher sagen sie sich: Der Job muss erledigt werden – und zwar vom Besten, der verfügbar ist.
Gibt es Fachwissen, mit dem man derzeit in allen Bereichen der Green-Tech punkten kann?
Bis vor zwei Jahren hat man jedem Elektrotechnik-Studenten geraten, sich mit Blick auf Smartphones und mobile IT auf Nachrichtentechnik zu fokussieren. Heute rückt mehr und mehr die Leistungselektronik an diese Stelle. Wir finden dieses Teilgebiet bei Hybrid-Fahrzeugen und in der E-Mobilität, in den Wechselrichtern im Photovoltaikbereich und beim Thema Netzanschluss. Beim Thema Leistungselektronik ist der Fachkräftemangel, über den so viel diskutiert wird, offensichtlich. Auf der anderen Seite besitzt die Green-Tech-Branche eine faszinierende Vielfalt. Wenn Sie sich die Neugründungen der vergangenen Monate anschauen, finden Sie eine unendliche Diversität der Ideen – vom Thema Licht und LED über die Dämmung mit organischen Materialien und intelligentes Energiemanagement bis hin zu Social-Media- Plattformen, die Fahrgemeinschaften organisieren.
Gibt es etwas, das die unterschiedlichen Spezialisten eint, die Sie in die Green-Tech-Branche vermitteln?
Wir sprechen intern von einer „Passion Economy“. Will heißen: Bei den allermeisten ist tatsächlich eine große Leidenschaft im Spiel. Die Leute suchen nicht nach dem vermeintlich besten Schritt für den vertikalen Karriereaufstieg, sondern nach einer Aufgabe, an der sie Spaß haben und bei der sie sich persönlich weiterentwickeln können. Für Berufsanfänger ist es wichtig zu wissen, dass die Branche heute alle möglichen Karriereformen bietet. Wer sich bei einem großen Autobauer für einen Einstieg im Bereich Elektromobilität entscheidet, genießt die Vorzüge einer Konzernkarriere. Es gibt aber auch den Weg in ein junges, kleineres Unternehmen, wo größerer Freiraum und oft auch mehr Entwicklungspotenzial warten. Bemerkenswert ist die große Dynamik zwischen diesen beiden Polen: Es ist für Fachkräfte zumeist problemlos möglich, nach einigen Jahren von einer kleinen Firma in ein großes Unternehmen zu wechseln. Sobald man sich als Spezialist erweist, ist man hier wie dort gefragt.
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